Wahlerfolg zum Geburtstag

Interview mit Catherine Ngina, die am 28. November 2025 zur zukünftigen Bischöfin der Kenianischen Evangelisch-Lutherischen Kirche (KELC) gewählt wurde. Die 54-Jährige ist die erste Bischöfin ihrer Kirche und erst die zweite evangelisch-lutherische Bischöfin in ganz Afrika.

War es einfach, zur Bischöfin Ihrer Kirche gewählt zu werden?

Es war nicht so leicht, sondern vielmehr eine lange, beschwerliche Reise. Unsere Kirchenverfassung sieht grundsätzlich die Möglichkeit vor, dass Frauen und Männer als Bischöfin oder Bischof gewählt werden können. Aber die Umsetzung in der Praxis ist ein schwieriger Prozess. Die Leute müssen davon überzeugt werden, dass ein Kandidat oder eine Kandidatin die geeignete Person für die Leitung der Kirche ist. Weiterhin müssen die Leute, die man führen soll, Vertrauen haben, dass man fähig ist, das Amt auszufüllen. Als die Zeit für mich kam, um das Bischofsamt zu kämpfen, betete ich zu Gott, legte meine Agenda in seine Hände und bat um seine Führung. Als ich die Wahlen, die übrigens an meinem Geburtstag stattfanden, gewonnen hatte, war für mich klar, dass Gott meine Gebete erhört hat. Ich dankte ihm für dieses Geschenk. Und ich fühlte mich sehr ermutigt.

Und jetzt sind Sie mitten in einer sechsmonatigen Übergangsphase, bis Sie offiziell eingeführt werden?

Ja. Das Komitee für den Übergang von meinem Vorgänger Johnes Kutuk Ole Meliyio zu mir wurde unmittelbar nach meiner Wahl zur Bischöfin gewählt. Seit Ende November läuft der Übergangsprozess. Laut Zeitplan soll er Ende Mai vollzogen sein. Das geplante offizielle Datum für die Amtsübergabe ist der 24. Mai 2026.

Wie ist die allgemeine Situation in der KELC in Bezug auf Frauen in Führungspositionen?

Nach der Überarbeitung unserer Kirchenverfassung im Jahr 2023 werden Frauen auf jeden Fall ermutigt und auch ermächtigt, sich um Führungspositionen zu bewerben und diese einzunehmen. Abgesehen von Herausforderungen auf der Ebene tradierter Gewohnheiten und Sichtweisen hat die KELC die Grundlage dafür gelegt, dass Frauen und Männer auch hinsichtlich der Leitung unserer Kirche gleichberechtigt sind. Alle werden gebraucht. Frauenordination ist in unserer Kirche seit 2003 möglich. Ich war die erste Frau, die ordiniert wurde. Und ich musste fast acht Jahre warten, bis die zweite Pfarrerin im Amt war. Seitdem wurden aber jedes Jahr Frauen ordiniert. Inzwischen sind mehrere Frauen als Dekaninnen auf der mittleren Führungsebene angekommen. Bevor ich zur Bischöfin gewählt wurde, war ich auch Dekanin. Die Kirche hat uns die Möglichkeit gegeben, Führungspositionen zu bekleiden, und das klappt inzwischen auch.

Welche Ziele wollen Sie in Ihrer Arbeit als Bischöfin verfolgen, generell und in Sachen Gleichberechtigung?

Im Jahr 2019, vor der Corona-Pandemie, begannen wir damit, unsere Agenda für Geschlechtergerechtigkeit zu formulieren. Ich habe diesen Prozess koordiniert. Während der Arbeit habe ich erkannt, dass die Menschen in Kenia ‚Gender‘ als ein Problem der Frauen verstehen. Wir

mussten viel Bildungsarbeit leisten, um ein Bewusstsein dafür zu wecken, dass Geschlechtergerechtigkeit eine Aufgabe für Frauen und Männer gleichermaßen ist. Inzwischen sind wir auf diesem Weg ein gutes Stück weitergekommen. Das Verständnis von Geschlechtergerechtigkeit ist heute ein ganz anderes als vor sieben Jahren. Dennoch wird es wichtig sein, dass ich, wenn ich als Bischöfin im Amt bin, die Fortsetzung dieser Bildungsarbeit unterstütze. Wir brauchen ein tiefes Verständnis dafür, dass Männer und Frauen in dieser Kirche zusammenarbeiten und -wirken. Ein weiterer Schwerpunkt, den ich sehe, ist die diakonische Arbeit, die wir fortsetzen und intensivieren müssen. Insbesondere in den Bereichen Peace Building sowie Suchthilfe und -prävention ist viel Bedarf. Es geht dabei auch um ein Miteinander von Kirche und Gesellschaft: Die Gesellschaft ist da für die Kirche und die Kirche ist da für die Gesellschaft. Eine wichtige Aufgabe wird auch die Erweiterung unserer Kirche sein. Stand heute ist die KELC nicht überall in Kenia vertreten. Es gibt beispielsweise Regionen, in denen Christinnen und Christen leben, wo die Kiche aber nicht präsent ist. Um diese Menschen müssen wir uns kümmern und ihnen etwas anbieten. Ebenfalls wichtig ist die Ausbildung von Fachpersonal. Wie sollen wir als Kirche wachsen und Menschen für unsere Kirche begeistern, wenn wir nicht ausreichend gut ausgebildetes Personal dafür haben. Wir brauchen mehr Studierende in den theologischen Colleges und wir müssen diejenigen, die seit Jahren in der Praxis arbeiten, weiterbilden und auf den neuesten Stand bringen. Dabei geht es um theologische Inhalte, aber auch um Qualifikation in Sachen Verwaltung, Management und Projektkoordination. Wir brauchen auch weltliches Wissen, um zu verstehen, was wir konkret tun müssen, wenn wir im Sinne der Bibel handeln wollen.

Feierte mit beim 50-jährigen Jubiläum der Frauenordination in der ELKB: Catherine Ngina (l.) neben Arlete Prochnow, Fachreferentin für Lateinamerika bei Mission EineWelt (Foto: ELKB/Alla Werr).

Thomas Nagel, Pressereferent

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