Hassliebe: Neues Auto

Betreutes Fahren mit elektronischen Gouvernanten

Ich hasse meinen neuen VW.

Ich habe in meinem Leben schon viele Autos gefahren. Kleine. Große. Alte. Neue. Benziner. Diesel. Einige waren langweilig. Andere hatten Macken. Manche waren durstig wie ein Kamel in der Wüste. Mein erster Opel hatte nur 45 PS und wurde im Winter zur Mimose, ohne Joke hat er gestreikt. Aber ich habe ihn geliebt. Gehasst habe ich noch kein Auto. Bis jetzt. Denn jetzt fahre ich einen VW T-Cross.

Bevor nun die VW-Händler von AMAG Schnappatmung bekommen: Nein, der VW ist nicht das Problem. Er fährt gut. Er ist bequem. Hübsch anzusehen und niedriger Energieverbrauch. Das Problem sitzt auch nicht in Wolfsburg. Es sitzt mehrere hundert Kilometer weiter nördlich. In Brüssel. Dort scheint man beschlossen zu haben, dass jeder Autofahrer grundsätzlich zu dumm ist, ein Auto zu fahren. Also wird aus einem erfahrenen Lenker ein Fahrschüler auf Probe. Jeden verdammten Tag. Meist mehrmals am Tag.

Ich steige ins Auto und beginne nicht zu fahren. Ich beginne Systeme wegzuklicken. Ich wollte eigentlich nur Brötchen holen. Stattdessen fühle ich mich wie der Copilot eines Airbus A380 kurz vor dem Start nach Singapur.

Und morgen beginnt das Theater wieder. Denn die EU weiß schließlich besser als ich, was ich möchte. Viele dieser elektronischen Gouvernanten lassen sich zwar deaktivieren. Aber eben nur bis zum nächsten Motorstart.

Danach sind sie wieder da. Und täglich grüßt das Murmeltier. Am meisten hasse ich den brandgefährlichen, übergriffigen Spurhalteassistenten und den hypernervösen Notbrems-Assistenten mit irren Bremsblockaden.

Ich weiß was jetzt kommt: „Diese Systeme retten Leben“. Das glaube ich sogar. Manchmal. Aber manchmal erzeugen sie genau jene gefährlichen Situationen, die sie eigentlich verhindern sollen. Vor allem dann, wenn sie Entscheidungen treffen, die der Fahrer weder erwartet noch nachvollziehen kann, sich vor lauter Schreck fast in die Hose macht.

Was mich aber am meisten ärgert, ist etwas anderes.

Ich darf nicht selbst entscheiden. Ich darf mein Auto nicht dauerhaft so einstellen, wie ich es fahren möchte. Bezahlen durfte ich aber das Komplettpaket. Jeden Tag muss ich erneut beweisen, dass ich trotz jahrzehntelanger Fahrpraxis offenbar noch verantwortungsvoll genug bin, den Blinker selbst zu bedienen. Das ist keine Sicherheit. Das ist Bevormundung. Und Bevormundung hat noch selten jemanden klüger gemacht…

Text: Netzfund Facebook / Gekürzt und bearbeitet durch Redaktion Habewind

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