1865 – 2015 Posaunenchöre Neuendettelsau

Feiern zum 150-jährigen Jubiläum haben begonnen 

  1. Sonderausstellung eröffnet 

NEUENDETTELSAU

Die Posaunenchöre von St. Nikolai und St. Laurentius feiern heuer gemeinsam das 150-jährige Jubiläum ihres Bestehens. 1865 wurde in Neuendettelsau der erste Posaunenchor Bayerns gegründet. Von den ersten Bläsern kamen einige aus der Gemeinde, einige aus der Missionsanstalt und einige aus der Neuendettelsauer Brüderschaft, erklärte Bruder Siegfried Huber im Hinblick auf die Jubiläumsfeiern. Dieser Posaunenchor spielte zum ersten Mal im Silvester-Gottesdienst 1866 in der Öffentlichkeit – über ein Jahr der Ausbildung und Probenarbeit gingen voraus. Seither kann man sich in Neuendettelsau kaum mehr ein Fest oder einen Feiertag vorstellen, an dem nicht der Posaunenchor – oder inzwischen einer der beiden Neuendettelsauer Posaunenchöre – mitgewirkt hätte. So war der Posaunenchor immer auch ein Band zwischen Dorfgemeinde, Missions- und Diakoniewerk, unterstrich Huber. Das Jubiläumswochenende vom 19. bis 21. Juni 2015 umfasst ein vielseitiges Festprogramm, auf das noch gesondert hingewiesen wird. Vom Pressesprecher der Posaunenchöre Neuendettelsau, Diakon Klaus Oelschläger, war zu hören, dass es in Bayern zwischenzeitlich etwa 900 Posaunenchöre gibt. Viele entstanden in den Notzeiten nach den beiden Weltkriegen trotz Armut und Kampf ums tägliche Brot. Posaunenchöre begleiten das Leben der Menschen an guten und schlechten Tagen, sagte Oelschläger. Sie sind auch dabei, wenn sich Glaube und Leben in der Kirche, auf dem Friedhof, bei Familienfeiern, im Krankenhaus und bei den Gemeindefesten begegnen. Posaunenchöre leiten Menschen an, in das Lob Gottes einzustimmen. Damals wie auch heute begeistern sich ältere aber ebenso junge Leute für das Mitwirken in Posaunenchören als willkommenen Ausgleich neben Schul- und Berufsstress.

Aus diesem besonderen Anlass präsentiert der Heimat- und Geschichtsverein Neuendettelsau seine 41. Sonderausstellung „150 Jahre Posaunenchor Neuendettelsau“. Zahlreiche Ausstellungsstücke und Raritäten aus den Gründerjahren dokumentieren im Löhe-Zeit-Museum, wie sich die Technik in der Posaunenarbeit weiterentwickelt hat. Anhand von zahlreichen Fotos und erläuternden Texten kann sich der Besucher in die verschiedenen Epochen hineinversetzen, Originalinstrumente bestaunen, und selbst einen Versuch des Blasens an einem eigens dafür vorgesehenen Instrument wagen. In den Vitrinen sind Ventile und allerlei Zubehör platziert, Notenblätter und vieles mehr bilden einen reichhaltigen Fundus von all dem, was den vielen Bläserinnen und Bläsern in den Posaunenchören eigen ist. Ausführliche Erklärungen vom Vorsitzenden des örtlichen Heimat- und Geschichtsvereins, Dr. Hermann Vorländer, geben zudem einen Einblick in die Besonderheiten des Muschel- und Posaunenchores von Neuguinea. 1925 gründete der Neuendettelsauer Missionar Heinrich Zahn den ersten Muschelchor in Hopoi/Neuguinea. Zahn hatte beobachtet, dass die Einheimischen durch Blasen auf der Schale der Tritonschnecke Signale kilometerweit weitergaben. Bei einem Todesfall benachrichtigte man die umliegenden befreundeten Dörfer mit lang gezogenen Muscheltönen, bei Bedrohung durch Feinde rief man die Freunde mit kurzen Tönen zu Hilfe. Kurzum, ein Besuch der 41. Sonderausstellung ist äußerst interessant und lehrreich. Viel gibt es zu sehen und zu lesen – und auf alten Fotos sind manch bekannte Personen zu entdecken, die seinerzeit das musikalische Leben in den Posaunenchören von Neuendettelsau mitbestimmt hatten. Die Sonderschau im Bahnhofsgebäude kann noch bis zum 2. August 2015 jeweils sonn- und feiertags von 14 bis 17 Uhr besucht werden. Gruppenführungen sind nach Anmeldung unter der Telefonnummer 09874/4283 möglich.

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Text + Fotos: Klemens Hoppe

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