WOLFRAMS-ESCHENBACH (Eig. Ber.)
Der Morgen beginnt ungewohnt ruhig im BRK-Seniorenwohnen Wolframs-Eschenbach. Doch dann öffnet sich die Eingangstür – und fünf junge Männer treten ein. Etwas zögerlich zunächst, die Hände in den Hosentaschen, den Blick neugierig durch die Flure schweifend. Der „Boys’Day“ hatte sie hierher geführt – jener bundesweite Aktionstag, der Schülern die Möglichkeit gibt, Berufsfelder kennenzulernen, die traditionell seltener von Männern gewählt werden. Die Pflege und Betreuung älterer Menschen gehören dazu. Und das BRK-Seniorenwohnen in Wolframs-Eschenbach öffnete dafür herzlich seine Türen.
Zunächst erhielten die fünf Jugendlichen einen Einblick in den Alltag der Pflegeeinrichtung: Was bedeutet es, alte Menschen zu begleiten? Welche Anforderungen stellt dieser Beruf – körperlich, aber vor allem menschlich? Dann folgte der praktische Teil, der den jungen Männern sichtlich in Erinnerung bleiben dürfte: Selbst im Rollstuhl sitzen, die eingeschränkte Mobilität am eigenen Leib spüren. Verschiedene Sehhilfen aufsetzen und erleben, wie sich die Welt durch trübe oder verzerrte Gläser anfühlt. Aus den Gesichtern der Jungs sprach echte Betroffenheit – und wachsendes Verständnis.
Der Höhepunkt des Tages war ein gemeinsamer Spaziergang zum nahe gelegenen Entenweiher. Jeder der jungen Männer begleitete fürsorglich einen Senior – Schritt für Schritt, im eigenen Tempo, mit einem offenen Ohr. Was dabei an Gesprächen entstand, lässt sich nicht in Worte fassen. Es sind solche Momente, in denen Generationen einander wirklich begegnen.
Zurück im Haus wartete der krönende Abschluss: Gemeinsam belegten Alt und Jung Pizzen nach Herzenslust – und ließen sich das Ergebnis gemeinsam schmecken. Gelächter, Teigmehl auf dem Tisch, zufriedene Gesichter auf beiden Seiten.
„Es ist immer eine schöne Abwechslung, wenn junge Menschen unser Haus besuchen und den Tag zu etwas ganz Besonderem machen“, heißt es seitens des Pflegeteams. Ein Dank, der von den Bewohnerinnen und Bewohnern sicher genauso empfunden wird – wie von den fünf jungen Männern, die an diesem Tag ein Stück weit erwachsener nach Hause gegangen sein dürften.
Text + Fotos: Heidi Jank





