„Bilderstürme“ in Windsbach

WINDSBACH (Eig. Ber.)

Mitte September stand die Gottesruhkapelle ein Wochende lang im Mittelpunkt und wurde zum Ort des vielseitigen Spektakels „Bilderstürme“, inszeniert von der Berliner Autorin und Regisseurin Miriam Sachs. „2017 war ich als Stadtschreiberin in Windsbach und durfte die Stadt in einer Art öffentlichem Tagebuch www.miriamsachs.wordpress.com/stadtschreiberin-Blog) entdecken. In dieser Zeit verliebte ich mich in die Gottesruhkapelle und die Idee zu „Bilderstürme“ entstand. Die Reformation ist in unseren Augen eine so klare, starke und positive Zeit der Erneuerung, man vergisst leicht, dass sie Hand in Hand mit Glaubenskriegen, mit Gewalt und Terroraktionen ging.“, so Sachs. In Zusammenarbeit mit WindsART und dem Dekanat entstand ein Projekt, das die Bilder der Gottesruhkapelle nicht nur sehr genau unter die Lupe nahm, sondern auch der Frage nachging, wie viele Bilder passen in eine evangelische Kirche? In Windsbach wurden zum Glück keine Kirchen zerstört zur Zeit der Bilderstürme, nur etwas rumgepöbelt“, so Dekan Klaus Schlicker, der für das Projekt nicht nur ein kompetenter Ansprechpartner war, sondern auch gemeinsam mit Miriam Sachs im Dialog der Zeit der Bilderstürme und „der Gottesruh“ selbst nachspürte. Kein Vortrag, keine Podiumsdiskussion, sondern ein Gespräch im Stile einer Radiomoderation, in diesem Fall jedoch in Mitten einer Bilderflut, die die Fresken der Kapelle zum Leben erweckten, Drachen flogen über die Wände, König David verwandelte sich in einen flatternden Geist und immer wieder hörte man die Stimmen der Windsbacher, mal die des Knabenchors und mal die der Kirchenbesucher, die im Film erzählten, was sie an ihrer Kapelle so lieben. Im zweiten Teil wurde diesem Mosaik eine Geschichte gegenübergestellt, die zur Zeit der Bildertürme spielt. In Heinrich von Kleists „heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik“, soll ein Kloster zerstört werden, das jedoch durch die Macht der Musik gerettet wird. „Mir war es wichtig, dies mit Windsbachern zu inszenieren. Und natürlich schrie die Macht der Musik nach dem Knabenchor. „Ich bin besonders stolz, dass die Jungs mitgemacht haben und nicht nur himmlisch gesungen haben, wie es in der Geschichte ja auch der Fall ist, sondern, dass ich sie auch zum ohrenbetäubenden Geschrei bewegen konnte.“ Wahrscheinlich erstmals in der Geschichte des Chors. Denn bei Kleist hat die Musik auch eine dunkle Seite. Sie ist Erlösung und Fluch zugleich. So schienen in der Gottesruh auch die Wände zu wackeln, als die Bilderstürmer einfielen, allen voran Hartmut Kawohl Posaune, aber auch mit Schlagzeugen, Becken, Schiffsglocken und den ersten Teil beendeten und die „Bühne“ frei machten für das Kleistsche Wort „und vor allem für die wunderbaren Nina Rühl, die dem Kleistschen Originaltext eine tolle Bodenständigkeit gegeben hat. Kleist auf Fränkisch auf den Punkt gebracht, war für mich neu und spannend!“, so Sachs. „Ich hätte nie gedacht, dass dieses Projekt mir eine so intensive Zeit bereiten würde. Ich fühle mich reich beschenkt, eine Weile die Gottesruhkapelle als Nachbar gehabt zu haben und sie immer wieder neu entdecken zu dürfen. Ich renn sonst nicht dauernd in Kirchen, aber in dieser hat man das Gefühl, der Welt abhanden zu kommen. Die unterschiedlichsten Leute haben mitgemacht, der Bürgermeister (mit beinahe original Kleist-Text!), religiöse Menschen, Nicht-Religiöse, Kirchen-Meider… und ihre Blicke auf diesen „mittelalterlichen comicstrip“ geteilt. Ich hoffe, nächstes Jahr geht‘s weiter.“

Foto: Privat

 

 

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