Diakoneo ermöglicht einen individuellen Übergang von der Werkstattarbeit hin zum Ruhestand in der Seniorentagesstätte
Bruckberg, 14.10.2026 – Nach der Schule beginnt für viele Menschen mit Behinderung die Arbeitswelt entweder in der Förderstätte oder in der Werkstatt. Wenn dann der Ruhestand vor der Tür steht, verändert sich das Leben buchstäblich von einem Tag auf den anderen. Der abrupte Wegfall des gewohnten Rhythmus, der täglichen Aufgaben und vor allem auch des Kontakts zu langjährigen Kollegen fällt vielen Menschen sehr schwer. Um den Übergang vom Arbeitsleben in den Ruhestand für Menschen mit Behinderung langsamer und individueller zu gestalten, hat die Diakoneo Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Bruckberg eine besondere Vorgehensweise entwickelt.
Für Jürgen Reuter gehörte die Arbeit im Sägewerk knapp ein halbes Jahrhundert lang zum Alltag: Nach seiner Schulzeit zog er auf einen Bauernhof in Großhaslach, auf dem er über Jahrzehnte hinweg auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig war. Als der Ruhestand vor drei Jahren begann und er seitdem die Diakoneo Seniorentagesstätte in Bruckberg besucht, veränderte sich sein Leben von einem auf den anderen Tag. Obwohl er bis heute um fünf Uhr aufsteht, um die Tiere auf dem Bauernhof mit zu versorgen, fielen der gewohnte Rhythmus und die anderen täglichen Aufgaben weg.
„Für viele Menschen ist der Übergang in den Ruhestand eine große Veränderung. Deshalb möchten wir ihnen ermöglichen, sich Schritt für Schritt an die neue Situation zu gewöhnen und dabei weiterhin Gemeinschaft und vertraute Strukturen zu erleben“, erklärt Veit Harnisch, der Leiter der Förder- und Seniorentagesstätte.
Gemeinsam mit Werkstattleiter Marco Michel hat er eine Herangehensweise entwickelt, mit dem sie den ehemaligen Beschäftigten helfen, den Übergang von Berufsleben in den Ruhestand sanfter und bedürfnisorientierter zu gestalten.
„Im Juni ist der Werkstattladen umgezogen und seit September befindet sich die Seniorentagesstätte in deren alten Räumen und damit in unmittelbarer Nähe zur Förderstätte“, erzählt Veit Harnisch. „Wir haben uns überlegt, beide Räume für Begegnungen zu öffnen.“
Für Jürgen Reuter bedeutet das konkret, dass die Verbindung zu seinem bisherigen Arbeitsleben bestehen bleibt.
„Mir gefällt es hier sehr gut“, sagt Jürgen Reuter mit einem Lächeln im Gesicht. Der 67-Jährige ist topfit, sagt von sich selbst, dass er „immer etwas zu tun braucht“ und er gerade die Möglichkeit schätzt, auch noch für ein paar Stunden die Werkstattarbeit zu übernehmen, oder etwas Neues auszuprobieren.
Damit ist der Ruhestand für ihn kein Einschnitt, sondern ein Übergang, bei dem er selbst entscheiden kann, was weiterhin zu seinem Alltag gehören soll.
Das Konzept beruht dabei auf Freiwilligkeit. Wer nicht möchte, muss nicht.
„Vom Austausch profitieren beide Seiten“, sagt Veit Harnisch. „Es ist auch schön zu sehen, wie die Jüngeren durch das Wissen der Älteren dazulernen.“
Auch gemeinsame Aktivitäten gehören zum Alltag in der Seniorentagesstätte. Sie feiern Feste zusammen, nehmen gemeinsam an Andachten teil und treffen sich zum Kaffeetrinken. So entstehen neue Begegnungen und gleichzeitig bleiben vertraute Kontakte erhalten.






