MITTELESCHENBACH (Eig. Ber.)
In die ehemalige Bankfiliale in Mitteleschenbach zieht wieder Leben ein: Wo das Gebäude in der Raiffeisenstraße früher als Schalterraum und Futtermittellager diente, entsteht in den kommenden Monaten mit einem Dorfladen samt Café das neue Herzstück der Gemeinde. Wolfgang Neukirchner, Leiter des Amts für Ländliche Entwicklung (ALE) Mittelfranken, überreichte bei einem Termin in der Gemeinde an Bürgermeister Stefan Bußinger die offizielle Einleitungsurkunde für die Einfache Dorferneuerung. Gleichzeitig hatte der Behördenchef eine zweite gute Nachricht im Gepäck: den langersehnten Förderbescheid über knapp 378.000 Euro.
Seit der Schließung des letzten Lebensmittelmarktes im Jahr 2023 gibt es in der knapp 1700 Einwohner zählenden Gemeinde außer einer Metzgerei keine Nahversorgung mehr, auch die Gaststätten sind nur noch eingeschränkt geöffnet. Insgesamt investiert die Gemeinde fast eine Million Euro in den Umbau des ehemaligen Bankgebäudes in der Raiffeisenstraße 3. Dank des Zuschusses fließen nun 300.000 Euro direkt in den Dorfladen und weitere 77.820 Euro in die Gestaltung des Außenbereichs.
„Dieses Geld ist hervorragend investiert“, betonte Amtsleiter Wolfgang Neukirchner bei der Übergabe. „Das Projekt passt ganz hervorragend zu den fünf Leitprinzipien unserer Ländlichen Entwicklung: Es sichert die Daseinsvorsorge, stärkt den sozialen Zusammenhalt, fördert die regionale Wertschöpfung, schützt das Klima und bewahrt die Artenvielfalt.“
Das Besondere an dem neuen Konzept in zentraler Ortslage: Unter einem Dach entstehen Bereiche, die völlig unabhängig voneinander betrieben werden können – ein moderner Dorfladen, ein gemütliches Café, ein Bankautomat und dringend benötigte öffentliche Toiletten. Letztere fehlten im Ort bislang komplett, was vor allem bei Großveranstaltungen wie der Kirchweih, dem Dorffest oder dem Faschingsumzug regelmäßig für Probleme sorgte. Damit wirklich jeder das Gebäude nutzen kann, wird der gesamte Komplex barrierefrei umgebaut. Beim Dorfladen setzt Mitteleschenbach auf ein innovatives, maßgeschneidertes Modell: Ein personalloser Laden, der ohne ein teures Franchise-Konzept auskommt. Einheimische und Gäste erhalten einfach per EC- oder Kundenkarte Zutritt und können rund um die Uhr einkaufen. Das Beste daran: Ein örtliches Ehepaar wird den Laden im Nebengewerbe betreiben. Er bringt als Bäckermeister das Fachwissen fürs Handwerk mit, sie steuert ihre Erfahrung aus einem Edeka-Markt bei. Beliefert wird das Sortiment vom Edeka-Food-Service sowie von Bäckern und Metzgern aus der Region. Alkohol wird man in den Regalen allerdings vergeblich suchen – aus Rücksicht auf den örtlichen Getränkemarkt.
Das Begegnungscafé als neuer Treffpunkt
Während der Laden digital läuft, setzt das angeschlossene Café voll auf das menschliche Miteinander. Die Gemeinde betreibt das Café in Eigenregie. Es soll der neue Treffpunkt für Jung und Alt werden. Vor den Gebäuden wird zudem der Asphalt aufgerissen: Der Außenbereich wird entsiegelt, begrünt und verwandelt sich in eine sonnige Café-Terrasse mit Spielgeräten für Kinder. Dass das Projekt so passgenau auf die Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten ist, liegt an der langen Vorarbeit. Seit 2023 feilten die Bürgerinnen und Bürger in Arbeitskreisen und einer schriftlichen Befragung an den Plänen – unter anderem am Logo, Namen und Design des Eingangsbereichs.
Kräftige Finanzspritze für den ländlichen Raum
Neukirchner nutzte den Termin auch, um den Landtags- und Bundestagsabgeordneten für ihren Einsatz zu danken, der eine auskömmliche Mittelausstattung der Ländlichen Entwicklung überhaupt erst möglich mache. Bayernweit stehen für die Jahre 2026 und 2027 jeweils stolze 170 Millionen Euro zur Verfügung, im aktuellen Jahr kommen zusätzlich noch zehn Millionen Euro aus einer Fraktionsinitiative obendrauf. „Allein in Mittelfranken rechnen wir bei den öffentlichen Maßnahmen mit rund 16 Millionen Euro – wohlgemerkt ohne EU-Mittel und ohne die Privatförderung“, rechnete der Amtsleiter vor.
Zum Abschluss wünschte Neukirchner der Gemeinde einen guten und unfallfreien Verlauf der Umbauarbeiten: „Ich freue mich schon heute auf die offizielle Eröffnung und wünsche dem Dorfladen und dem Café später viele hungrige und durstige Kunden.“
Text (gek. d. Red.) + Fotos: Diane Mayer / ALE Mittelfranken






