Als in Merkendorf noch die Puppen tanzten… Die Geschichte vom „Kaspers Franz“

MERKENDORF

Eine erzählenswerte Geschichte der Merkendorfer Nachkriegszeit handelt vom „Kaspers Franz“. Diese soll nun auch Teil der neuen Stadtführung werden, erklärte Hermann Brunner, der Verfasser des Heimatbriefs und Mitglied des „Arbeitskreises Audioguides“. Für die geplanten Audioguides in Merkendorf und den anderen Gemeinden der Kommunalen Allianz werden derzeit regionale Sagen, Legenden und allerhand wissenswertes aufbereitet und spannend in die Führungen eingebettet. Schon bald sollen die kleinen Stadtführer Besucher wie Einheimische auf den Spuren alter und jüngerer Zeiten durch Stadt und Land leiten. Die Geschichte vom „Kaspers Franz“ nimmt ihren Anfang im Sudetenland. Bereits dort verdiente er sich seinen Lebensunterhalt mit seinen beliebten Puppenspielen. Nach seiner Vertreibung gelangte Franz Schreiber nach Deutschland. Die Ursache dafür war seine Jugendbekanntschaft Olga Lorenz. Schreiber zog seinen Wohnwagen selbst den langen Weg aus dem Sudetenland zuerst bis nach Eichstätt und dann nach Merkendorf, das Lorenz nun ihr Zuhause nannte. Schon bald heiratete Schreiber seine Olga und die beiden wohnten bei der Familie Rubensdörfer. Er zog mit seinem Puppenwagen durch die nähere Umgebung und erfreute Klein und Groß mit seinem Spiel. Nach kurzer Zeit hatte er Heinz, den Sohn der Rubensdörfers, mit seinen Auftritten begeistert und er nahm ihn des Öfteren mit zu Vorstellungen. Obwohl der Vater des Kleinen dagegen war, bastelte Schreiber für Heinz dessen eigene Kasperle-Puppen, denn Schreiber hatte alle seine Figuren selbst gefertigt. Betrachtet man diese heute im Heimatmuseum, so wäre man nie auf Schreibers Sehbehinderung gekommen, von der die ehrenamtliche Kuratorin  Helene Kreuzer zu berichten wusste. Bis zum Tod seiner Frau blieben beide bei den Rubensdörfern wohnen. Danach zog er bis zu seinem eigenen Tod in die Merkendorfer Vorstadt. Seine Puppen übergab er noch vor seinem Ableben den Lincks, von denen er immer wieder einen Sack Kohlen erhalten hatte. Hier hätte die Geschichte enden können. Allerdings geht die Reise der Puppen weiter. Sie gingen an Anneliese Linck, die nach Holland auswanderte. Erst einige Zeit später sollten diese ihren Weg zurück nach Merkendorf finden. Als die Kinder von Anneliese Linck auf einen Besuch zu ihrer Verwandtschaft nach Mittelfranken kamen, brachten sie die Puppen mit und vermachten sie dem Heimatverein. Seitdem haben sie ihren Platz im Heimatmuseum. Der „Kaspers Franz“ gab Vorführungen in Gemeindesälen, Gasthäusern und natürlich auch bei den Kirchweihen. Fragt man die Älteren nach dem Vertriebenen Franz Schreiber, so weiß kaum jemand etwas über diesen zu erzählen. Erwähnt man jedoch den „Kaspers Franz“, so gerät nach ein bisschen Nachdenken noch so manch einer ins Schwärmen. Die Geschichten und der Spaß aus ihrer Kindheit sind den Älteren unter uns im Gedächtnis geblieben und alle sind sich einig, dass es schade wäre, wenn die Puppen nur noch im Museum zu bewundern wären. Deshalb haben die beiden ehrenamtlichen Kuratorinnen des Heimatmuseums Helene Kreuzer und Berta Wagenpfeil beschlossen, diese bald wieder mit Leben zu erfüllen und wer weiß: vielleicht tanzen in Merkendorf schon bald wieder die Puppen.

Text + Fotos: Marina Hellein

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