Vier ganz besondere Perlen

GROSSHASLACH

Der fränkische Jakobsweg zwischen Nürnberg und Rothenburg ist um eine Besonderheit reicher: Unter dem geheimnisvollen Namen „Vier Perlen am Jakobsweg“ wurde am Erntedanksonntag in Großhaslach ein Besinnungsweg eingeweiht, der sich an den vier Elementen Feuer, Wasser, Erde und Luft ausrichtet. Das Projekt entstand ab 2011 aus der Kirchenkreis-Aktion „gerne evangelisch“ und wurde vom Kirchenvorstand von St. Marien und Pfarrerin Karin Hüttel mit Unterstützung ehrenamtlicher, finanzieller und fachlicher Art von vielen Seiten verwirklicht. Von der Großhaslacher Marienkirche und dem Jakobushaus führt der Weg den Berg hinab und wieder leicht bergan. Rechterhand ein feines Plätschern: Aus einem in eine Steinmauer eingelassenen Brunnenrohr fließt Wasser in ein schlichtes wohlgeformtes Steinbecken. Die erste Perle, die Station „Wasser“ lässt Jakobspilger oder Spaziergänger gleichermaßen innehalten. Auf einer Tafel stehen einige Verse aus dem Psalm 104, die vom Lebenselement Wasser  sprechen. Diese sowie die drei andern Stationen wurden vom Großhaslacher Landschaftsgärtner Gerhard Scheuerlein gestaltet. Ein Stück weiter den Hang hinauf wird ein großes Kreuz aus Metall und roten Glaselementen sichtbar. Die zweite Perle, die Station „Feuer“, lädt ein zum Ausruhen mit Blick auf den alten gotischen Turm von St. Marien. Eine niedrige Mauer  umrahmt zur Hälfte einen hellen Kiesplatz mit spiralförmig eingelassenen Steinen. Kräftige Steinblöcke laden zum Hinsetzen in großer Runde ein; eine große flache Metallschale ist für ein Feuer gedacht, das zur Einweihungsfeier das erste Mal lodern darf.  Das von Glasdesignerin Gabi Richter aus Aich gestaltete Kreuz lässt die Sonnenstrahlen „feurig“ durch die Glaselemente scheinen. Auch hier wieder eine Tafel mit Versen aus Psalm 104. Der Weg führt nun eine Weile geradeaus über Felder bis an den Wald. Schon von weitem ist das Blinken des metallenen Windspiels zu sehen, das der dritten Perle, der Station „Luft“, Gestalt verleiht. Hier steht eine einladende Bank, der Platz ist bewusst „zugig“ gewählt, so dass immer ein leises Lüftchen die Metallkugeln zum Schwingen und leisen Klingeln bringt. Nach der blauen (Wasser) und der roten (Feuer) Perle wird hier nun die weiße mit starken Psalmworten beschrieben. Der letzte Teil des Weges birgt neue Überraschungen. Es geht zunächst am Wald entlang und dann auf einmal in den Wald hinein. An einer Weggabelung gilt es sich zu entscheiden: Rechts abbiegen den blauen Muscheln an den Bäumen folgen und den Jakobsweg weitergehen oder links herum zurück zum Ausgangspunkt? Erst auf den zweiten Blick erschließt sich die wohl stärkste und geheimnisvollste der vier Perlen. Wer die Station „Erde“ erfassen will, muss den Blick nach unten richten: Unter den Bäumen, am Scheideweg, steht ein uraltes Steinkreuz, massiv, niedrig, mit Moos bewachsen, umrahmt von Weidenzweigen und Farnen. Die Tafel, die hier von der vierten, der braunen Perle „Erde“ spricht, steht dezent am Rand.  Aus dem Wald hinaus, am Feld entlang geht es heute zurück ins Dorf. Etwa eine Stunde dauert der Rundweg für den, der sich die Zeit nimmt, die „Perlen“ auf sich wirken zu lassen. Und so manch Pilger, der am Steinkreuz die andere Richtung einschlägt, mag wohl hier im Vorbeigehen ein Stück Inspiration und Bekräftigung für seine Wanderung  mitnehmen.

Text + Foto: Susanne Hassen

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